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Bau der Schlänger Badeanstalt „auf eigene Kosten“ – Vereine helfen mit – Eröffnung vor 90 Jahren: Arg kalt im geräumigen Bassin – Wohltat für Schlangen und Nachbarorte – Schlänger Geschichte
Bau der Schlänger Badeanstalt „auf eigene Kosten“ – Vereine helfen mit – Eröffnung vor 90 Jahren: Arg kalt im geräumigen Bassin – Wohltat für Schlangen und Nachbarorte Reviewed by Klaus-Peter Semler on . Vor 90 Jahren, am 24. Mai 1926 (2. Pfingsttag) wurde die „in Eigenleistung“ gebaute Schlänger Badeanstalt eingeweiht. Im Folgenden berichtet der Vorsitzende der sfsdfsdfsdf Vor 90 Jahren, am 24. Mai 1926 (2. Pfingsttag) wurde die „in Eigenleistung“ gebaute Schlänger Badeanstalt eingeweiht. Im Folgenden berichtet der Vorsitzende der Rating: 0

Bau der Schlänger Badeanstalt „auf eigene Kosten“ – Vereine helfen mit – Eröffnung vor 90 Jahren: Arg kalt im geräumigen Bassin – Wohltat für Schlangen und Nachbarorte

Vor 90 Jahren, am 24. Mai 1926 (2. Pfingsttag) wurde die „in Eigenleistung“ gebaute Schlänger Badeanstalt eingeweiht.

Im Folgenden berichtet der Vorsitzende der Badeanstaltskommission, Adolf Schmidt, über das Projekt, Gemeindevorsteher Heinrich Ellerbrok wendet sich in einem Schreiben an die Vereine, und die Lippische Landes-Zeitung informiert über Baumaßnahmen, Aktionen zu Finanzierungszwecken, über die Einweihungsfeier sowie Besucherscharen.

 

Vom „Ägäischen Meer“ zur ersten Badeanstalt einer lippischen Dorfgemeinde

Teil eines Berichtes von Adolf Schmidt (Vorsitzender der Badeanstaltskommission), veröffentlicht im „Gemeindeboten“ vom 1. September 1956:

Im Sommer 1899 wurde der Turnverein in Schlangen von Gustav Poppe gegründet, welcher am 15. Oktober 1899 schon sein erstes Turnfest veranstaltete. Die Zahl der Mitglieder war klein, da ja im Sommer fast alle Männer, Jung und Alt, als Ziegler oder Maurer in der Fremde ihr tägliches Brot verdienen mussten.
Zu den Mitgliedern des Vereins gehörte auch der Schuhmachermeister Heinrich Budde. Er hatte während seiner Militärzeit in Münster einige Meter zu schwimmen gelernt. Schon im Spätsommer 1900 beantragte er den Bau eines Badeteiches bei der Gemeinde.
Dieser Antrag stand als Punkt 1 auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am 16. Oktober 1900. Es wurde eine Kommission gebildet, welche einen Kostenanschlag vorlegen sollte. Die Kommission bestand aus dem Landwirt Krome, Maurermeister Mense, Landwirt Voss, Heinrich Budde, Dr. Starke und Gendarm Möller.
Der Kostenanschlag über 782,26 Mark wurde dem Gemeinderat in der Sitzung am 16. Januar 1901 vorgelegt. Der Gemeinderat lehnte jedoch den Bau der Badeanstalt einstimmig ab. Sollten die Antragsteller gewillt sein, die Badeanstalt auf eigene Kosten auszubauen, so wollte man ihnen den Platz „im Lehme“ zu einer mäßigen Pacht überlassen.
Mit diesem Beschluss des Gemeinderates wurden alle Hoffnungen der Jugend auf eine Badeanstalt zunichte gemacht. Der Badebetrieb ging aber im Sommer trotzdem weiter. Man hatte nämlich auf dem Truppenübungsplatz nördlich der alten Bielefelder Poststraße einen herrlichen Teich entdeckt, wohl 4 bis 5 km süd-westlich von Schlangen. Hierhin wanderte Heinrich Budde Sonntag für Sonntag mit seinen Getreuen, um ein kühles Bad zu nehmen. Man gab diesem Teich den Namen „Ägäisches Meer“. Fotos legen noch heute Zeugnis ab vom Leben und Treiben unserer Jugend vor 50 Jahren im schönen Habichtswald mit seinem Teich. 

Als Schlänger Schwimmsportfreunden noch eine Badeanstalt fehlte, bot das „Ägä-ische Meer“ auf dem Truppenübungsplatz eine gern genutzte Möglichkeit, „Wellen zu schlagen“. Foto: G. Poppe, 1905

Als Schlänger Schwimmsportfreunden noch eine Badeanstalt fehlte, bot das „Ägäische Meer“ auf dem Truppenübungsplatz eine gern genutzte Möglichkeit, „Wellen zu schlagen“.
Foto: G. Poppe, 1905

Andere Ereignisse bewirkten, dass es um den Badeteich sehr ruhig wurde.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Heinrich Ellerbrok Vorsteher. Er war es, der mit den Turnern und Sportlern den Sportplatz „Rennekamp“ schuf, so dass im Jahre 1922 das Gauturnfest in Schlangen durchgeführt werden konnte. 1923 wurde auf Anregung des Vorstehers Ellerbrok mit Rücksicht darauf, dass eine Badegelegenheit noch nicht bestand, eine solche aber aus gesundheitlichen Gründen dringend geboten erschien, eine Kommission gebildet, welche die Einrichtung einer Badeanstalt prüfen und genauere Unterlagen beschaffen sollte. Die Kommission bestand aus den Herren Hermann Buchholz, Maurermeister Fritz Schönlau, Landwirt Fritz Kloke, Eisenbahner August Ellerbrok als Vertreter des Gemeinderates und Adolf Schmidt, Heinrich Schäferjohann und Lehrer Lütchemeier als Vertreter des Turnvereins. Die Kommission wählte einstimmig Adolf Schmidt zum Vorsitzenden.

Im Jahr 1923 wurde Adolf Schmidt zum Vorsitzenden einer Kommission zur Errich-tung einer Badeanstalt in Schlangen gewählt. 1956 hielt er die Festansprache an-lässlich des 30jährigen Jubiläums des Freibades. Foto: H. Wiemann

Im Jahr 1923 wurde Adolf Schmidt zum Vorsitzenden einer Kommission zur Errichtung einer Badeanstalt in Schlangen gewählt. 1956 hielt er die Festansprache anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Freibades.
Foto: H. Wiemann

Jetzt wurde mit der Planung begonnen. Zwei Plätze standen zur Verfügung: Die sogenannte Ochsenwiese und die Mergelkuhle im Lehme. Die Verhältnisse in der Mergelkuhle waren besonders schwierig. Die Strothe musste verlegt und eine Stauanlage abgebrochen werden. Ferner musste der Platz von dem Bauern Keiser Nr. 10 käuflich erworben werden. Die Kommission neigte deshalb dazu, die Ochsenwiese zu empfehlen, obwohl dort der Wasserablauf aus der Badeanstalt nicht günstig war. Schließlich gaben die Worte des auf Vorschlag von Herrn Lütchemeier zu Rate gezogenen Hoch- und Tiefbaupoliers Kleinschlömer den Ausschlag, welcher meinte: „Für eine Badeanstalt ziehe ich das gesunde Mergelwasser vor.“ Der Plan lag nun fest, wurde dem Gemeinderat vorgetragen und von ihm genehmigt.

Mit diesen Planungen und vielen Beratungen hatten wir den Sommer 1924 schon erreicht. Es hieß nun: Freiwillige vor! Jeden Abend ging es mit Spaten und Schüppen in den „Lehm“. Wir wollten nur einen Badeteich machen. 1924 ging ohne Erfolg zu Ende. Die Kommission sah ein, dass man so zu keinem Ergebnis kam. Man legte sich deshalb auf das „Geldverdienen“. Die Turner turnten, die Fußballer spielten, und die Gesangvereine sangen jeden Sonntag für die Badeanstalt: Konzerte, Ball oder Verlosung, wir hatten bald soviel Geld zusammengebettelt, dass die Arbeiter bezahlt werden konnten, die Seiten mit Betonmauern eingefasst und ein Wärterhaus mit Ankleidezellen hergerichtet wurde. Ende 1925, also 25 Jahre nach dem ersten Antrag hatte Schlangen als erste Dorfgemeinde in Lippe eine Badeanstalt. Für die Einweihung war es aber zu spät geworden. Sie wurde bis Pfingsten 1926 zurückgestellt.

Gemeindevorsteher wirbt um Mithilfe der Schlänger Vereinigungen

Schreiben des Gemeindevorstehers Heinrich Ellerbrok vom 25. Mai 1925 an die Vorsitzenden Schmidt (Turnverein); Wittbecker (Sportverein), Bollhöfer (Radfahrverein), Schlüter (Kameradenverein), Vothknecht (Gesangverein Teutonia), Emmighausen (Gesangverein Harmonie), Schomann (Mandolinenclub) und Ernsthuneke (Landwirtschaftlicher Verein):
Bekanntlich schweben seit langem Verhandlungen bezüglich der Anlegung einer Badeanstalt in hiesiger Gemeinde. Leider ist es bisher nur bei losen Verhandlungen geblieben.
Die Angelegenheit ist nunmehr sehr in den Vordergrund getreten und ist sich der Unterzeichnete darüber bewusst, dass die eigens zu diesem Zwecke eingesetzte Kommission die Angelegenheit nunmehr endgültig zum Durchbruch verholfen hat und mit einer alsbaldigen Fertigstellung der Badeanstalt rechnen wird.

Selbstverständlich bedarf die Kommission der Mithilfe aller am Ort vorhandenen Kräfte, sei es in finanzieller Hinsicht oder durch entsprechende Arbeitsleistung in den Abendstunden. Zu diesem Zwecke wende ich mich, im Einverständnis mit der Kommission, an die Herren Vorsitzenden der in hiesiger Gemeinde bestehenden Vereinigungen mit dem freundlichen, aber auch dringenden Ersuchen, im Interesse der guten Sache im Verein zu werben und zu erreichen versuchen, dass nach Möglichkeit der Verein einen, wenn auch geringen Betrag als Zuschuss gewährt und im Übrigen die Vereinsmitglieder sich in den Abendstunden an den Arbeiten mitbeteiligen. Nur durch gemeinsame und ernsthafte Zusammenarbeit lässt sich die Angelegenheit, auf deren ungeheure Wichtigkeit gerade in gesundheitlicher Hinsicht wohl nicht besonders hingewiesen zu werden braucht, schnell und erfolgreich zu unserer aller Nutzen durchführen.

Die Gemeinde als solcher mit der Finanzierung dieser durchaus notwendigen Einrichtung zu betrauen, hält der Unterzeichnete für verfehlt, da die Gemeindekasse hierzu infolge der geringen Einnahmen einerseits und der zu erledigenden Aufgaben andererseits einfach außerstande ist.

Ich bitte dringend, diese Angelegenheit nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern sofort mit dem Vorstand und den Mitgliedern Ihres Vereins Rücksprache nehmen zu wollen, zumal mit den Arbeiten in den nächsten Tagen begonnen werden soll. Beträge werden bei der Gemeindekasse hierselbst, Konto „Badeanstalt“, angenommen.

Erdmassen für die Wiesenstraße

Leser der Lippischen Landes-Zeitung vom 21. Juli 1925 erfahren u.a. aus der Sennerandgemeinde:
… Erfreulicherweise zeitigen die von ständig sechs Arbeitern ausgeführten Erdbewegungen sehr gute Fortschritte, so dass mit einer alsbaldigen Benutzung der Badeeinrichtung zu rechnen ist. Die gewaltigen Erdmassen werden gleichzeitig dazu benutzt, um zu der Badeanstalt einen gut passierbaren Zugangsweg zu schaffen. An beiden Seiten der Wiesenstraße ist für den kommenden Herbst eine weitere Anpflanzung von Laubholzbäumen vorgesehen, so dass, wenn die Bäume erst ihre kühlen Schatten werfen, ein herrlicher Spazierweg von der Ortsmitte direkt zum Schwimmbad führt.

… Dank der bereits geleisteten und noch zu leistenden unentgeltlichen Fuhren seitens der hiesigen Landwirtschaft beim Transport der erheblichen Erdmassen lässt sich der Kostenpunkt der Gesamtanlage um ein Erhebliches herabdrücken.
Da im Übrigen versucht werden soll, alle entstehenden Kosten ebenfalls im Wege freiwilliger Geldspenden aufzubringen, ist für Sonntag (26. Juli) abends um acht Uhr im Saale des Herrn Sibille ein Familienabend mit Verlosung vorgesehen. Sämtliche Vereine am Orte haben ihre Mitwirkung zugesagt. Am selben Nachmittag wird, ebenfalls zum Besten der Badeanstalt, der hiesige Verein Fortuna ein Fußballspiel geben …
(Nach einer Zeitungsmeldung vom 5. August 1925 ist bei der Veranstaltung im Saal Sibille, auf der „vor vielen hundert Zuhörern gemimt, gesungen, geturnt und ‚gezittert‘ wurde, ein Betrag von mehr als 1.000 Mark herausgekommen“.)

Einweihung am 24. Mai 1926: Die Badeanstalt als Hauptfaktor zur Förderung der Volksgesundheit gepriesen

Plakat mit der Einladung zur Eröffnung der Badeanstalt in Schlangen am 24. Mai 1926 (2. Pfingstfeiertag). Repro: H. Wiemann

In ihrer Sonntags-Ausgabe vom 31. Mai 1926 berichtet die Lippische Landes-Zeitung aus Schlangen:
Unsere Badeanstalt wurde am 2. Pfingsttag, nachmittags, eingeweiht und der allgemeinen Benutzung übergeben. Leider fiel die Sache ins Wasser und zwar ins kalte, nicht zum Wenigsten durch die kühlen Pfingsttage. Aus Detmold war Herr Oberregierungsrat Dr. Corvey von der Regierung erschienen. Auch vom Verwaltungsamt Detmold fand sich später ein Vertreter ein. Die Badeanstalt wurde mit vollem Recht als Hauptfaktor zur Förderung der Volksgesundheit und Stärkung gepriesen und empfohlen. Vom Schwimmverein Paderborn waren freundlicherweise einige Mitglieder am Start, die sich, obwohl kein Mailüftel wehte und das Wasser in dem geräumigen Bassin arg kühl war, im Badekostüm in das nasse Element stürzten und schwimmend den Zuschauern viel Freude bereiteten. Dem Gemeindevorsteher Ellerbrok und der ganzen Badeanstaltskommission gebühren Dank und Anerkennung, dass sie das Werk, das 10.000 bis 12.000 Mark gekostet hat, unter den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen fertig gebracht haben.

Bei kühler Witterung weihten zahlreiche Schlänger ihre Badeanstalt am 2. Pfingst-tag vor 90 Jahren ein. Foto: Sammlung Wiemann

Bei kühler Witterung weihten zahlreiche Schlänger ihre Badeanstalt am 2. Pfingsttag vor 90 Jahren ein.
Foto: Sammlung Wiemann 

Baden bis in den späten Abend hinein

Am 17. Juli 1926 ist die Gemeinde Schlangen mit dem folgenden Bericht in der Lippischen Landes-Zeitung vertreten:
Unsere im vergangenen Jahre unter Aufwendung von großen Mitteln erbaute Badeanstalt an der Strothe erweist sich immer mehr als eine große Wohltat nicht nur für unseren Ort, sondern auch für die Bewohner der Nachbarorte. Das zeigte sich so recht in der letzten Woche, in der richtiges Badewetter eintrat. Hunderte von Menschen, große und kleinere, badeten bis in den späten Abend hinein in den kühlenden Fluten, auch ganze Scharen aus dem benachbarten Bad Lippspringe. Jetzt hat es sich auch gezeigt, dass das Bassin, welches 50 Meter lang und durchschnittlich 40 Meter breit ist, durchaus nicht zu groß bemessen ist. Eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit ist auch der Umstand, dass Sonnenbäder genommen werden können, weil an der Nordwest-Seite ein höheres, mit Bänken besetztes Ufer ist, das die Sonnenstrahlen gut zurückwirft …

25 Jahre nach der Einweihung: Schlangens schwimmsportbegeisterte Jugend im zwischenzeitlich modernisierten Freibad. Die Aufnahme ist während des Schwimmfestes 1951 entstanden. Sie zeigt auch den Leiter der Schwimmabteilung Werner Grimpe (im Bademantel) sowie Bademeister Hermann Wolf und seine Tochter Margarete. Foto: Sammlung Wiemann

25 Jahre nach der Einweihung: Schlangens schwimmsportbegeisterte Jugend im zwischenzeitlich modernisierten Freibad. Die Aufnahme ist während des Schwimmfestes 1951 entstanden. Sie zeigt auch den Leiter der Schwimmabteilung Werner Grimpe (im Bademantel) sowie Bademeister Hermann Wolf und seine Tochter Margarete.
Foto: Sammlung Wiemann

Heinz Wiemann hat die Bild- und Schriftüberlieferungen aus seinem umfangreichen Archivvorrat zusammengestellt. Wiemann ist auch für die inhaltliche Weiterentwicklung der Geschichtsstationen der historischen Rundwanderwege in Schlangen zuständig. Er ist sich mit Reinhard Peukert, Vorsitzender des Fördervereins Ortsgeschichte, einig: Die Schlänger Badeanstalt gehört in besonderer Weise zur Historie des Dorfes und hat einen Anspruch darauf, zu den bisher 40 Geschichtsstationen gezählt zu werden! Reinhard Peukert und Heinz Wiemann arbeiten bereits am Entwurf der Informationstafel und werden ihn innerhalb des Genehmigungsverfahrens der Gemeinde vorlegen. Was noch fehlt, ist ein Sponsor, der die Sachkosten übernimmt und natürlich auch auf der Tafel genannt wird (Näheres telefonisch unter 05252 / 81165 oder 02362 / 65393).

 

(Publiziert am 18. Februar 2016)

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