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Der Maler Otto Binz und das Herrschaftliche Wohnhaus in Oesterholz – Ziegelsteinbemalung in der Renaissance – Zeitgenossen sahen hauptsächlich rot – Zwei Aquarelle als farbgetreue Dokumentationen – Schlänger Geschichte
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Der Maler Otto Binz und das Herrschaftliche Wohnhaus in Oesterholz – Ziegelsteinbemalung in der Renaissance – Zeitgenossen sahen hauptsächlich rot – Zwei Aquarelle als farbgetreue Dokumentationen

Von Heinz Wiemann

 

Die älteste überlieferte bildliche Darstellung des Jagdschlosses Oesterholz ist die am 25. Mai 1632 angefertigte Zeichnung des Arztes Dr. Georg Faber, seinerzeit Reisebegleiter des Landgrafen Philipp von Hessen. Links des Tores das bis heute erhalten gebliebene Herrschaftliche Wohnhaus. Abb. H. Wiemann, Bilder aus der Vergangenheit, Meinerzhagen, 1986

Die älteste überlieferte bildliche Darstellung des Jagdschlosses Oesterholz ist die am 25. Mai 1632 angefertigte Zeichnung des Arztes Dr. Georg Faber, seinerzeit Reisebegleiter des Landgrafen Philipp von Hessen. Links des Tores das bis heute erhalten gebliebene Herrschaftliche Wohnhaus.
Abb. H. Wiemann, Bilder aus der Vergangenheit, Meinerzhagen, 1986

 

Der Grafiker Ludwig Sütterlin, Entwickler der Sütterlin-Schrift, wurde 1865 in der Kleinstadt Lahr im Schwarzwald geboren. Vier Jahre später, am 6. Juni 1869, kam Otto Binz als Sohn eines Gärtnermeisters im gleichen Ort zur Welt. Zumindest ein berufliches Leben lang hatten es beide mit der Grafik zu tun. Beide „machten sich einen Namen“ weit über ihren Geburtsort hinaus. Otto Binz wurde als Maler besonders im Lipperland bekannt.

Bei seiner Freude am Malen und Zeichnen sowie dem Talent zur Gestaltung bildlicher Darstellungen sah der Gärtnersohn seine Zukunft nicht in der elterlichen Gärtnerei. Den Betrieb übernahm später der jüngere Bruder August. Otto Binz absolvierte eine vierjährige Lithografenlehre in der Lithographischen Kunstanstalt und Buchdruckerei Ernst Kaufmann in seiner Heimatstadt Lahr.

Als Lithograf in der Firma Klingenberg in Detmold

Stefan Wiesekopsieker hat im Dezember-Heft 1994 der Zeitschrift „Heimatland Lippe“ Spuren des Lebens aufgezeigt: „Auf seinem Abgangszeugnis vom 19. Januar 1889 bescheinigt ihm der Inhaber des alteingesessenen Betriebes, der sich auf die Herstellung von Plakaten und Etiketten sowie Ausstattung von Zigarrenkistchen spezialisiert hatte, nicht nur den erfolgreichen Abschluss seiner Lehrzeit, sondern wünschte ihm auch von Herzen Gelegenheit zur weiteren Ausbildung, an welcher ihm so viel gelegen ist. Diese Gelegenheit bot sich Otto Binz bei der damals bereits überaus renommierten Druckerei Gebr. Klingenberg in Detmold, einem seinem Lehrbetrieb sehr ähnlichen Unternehmen.“

Die Geschichte der Firma Klingenberg begann 1865 mit der Erteilung der Konzession zur Errichtung einer Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung. Die Entwicklung führte zu einem grafischen Großbetrieb, zu einem Marktführer in Europa. Die Firma hatte sich besonders erfolgreich auf den Druck von Zigarrenkisten-Ausstattungen und Liebig-Sammelbildern spezialisiert. 1891 waren im Produktionsbereich 131 Männer und 141 Frauen beschäftigt. Eine Übersicht nennt u. a. 22 Steindrucker, 30 Steindruckerlehrlinge, 21 Maschinenmeister, 13 Lithografen, 10 Buchbinder und 7 Blattgoldauflegerinnen.

Der Lithograf Otto Binz nahm seine Arbeit am 11. Februar 1889 im Unternehmen Gebr. Klingenberg auf, musste allerdings im gleichen Jahr seine zweijährige Militärdienstzeit beginnen und kehrte nach beruflichen Zwischenstationen im November 1893 nach Detmold zu der Firma Gebr. Klingenberg zurück. Zu den zwischenzeitlichen Arbeitsverhältnissen hatte auch eine Tätigkeit in „seinem alten Betrieb“ in Lahr gehört. Das Zeugnis dokumentiert: „Er arbeitete in Schrift, Zeichnung und Chromo, in Feder-, Kreide- und Gravurtechnik.“ In der Druckerei Gebr. Klingenberg war Otto Binz 40 Jahre lang tätig – bis zu seiner Pensionierung anno 1933.

Im Jahr 1916 wurde dem Künstler Otto Binz der „Fürstlich Lippische Orden für Kunst und Wissenschaft“ verliehen. Foto: W. Preuß

Im Jahr 1916 wurde dem Künstler Otto Binz der „Fürstlich Lippische Orden für Kunst und Wissenschaft“ verliehen.
Foto: W. Preuß

Folgen wir weiteren Ausführungen Stefan Wiesekopsiekers: „Neben seiner beruflichen Tätigkeit fand Otto Binz aber vor allem immer wieder Zeit und Gelegenheit, sich auch als freischaffender Künstler zu betätigen. So fertigte er zahlreiche Illustrationen … Doch seine ganze Liebe galt der Malerei.

Es entstanden in erster Linie Landschaftsbilder in Öl, Pastell und Aquarell. Seine Motive suchte Otto Binz bevorzugt in der näheren Umgebung. Schloss und Obere Mühle in Detmold, Szenen aus dem Teutoburger Wald, dem Hiddeser Bent und der Senne fanden sich in vielen Variationen … Insgesamt erfreuten sich seine Werke schon zu Lebzeiten größter Beliebtheit und so ist es kein Wunder, dass auch das Detmolder Fürstenpaar zum Interessentenkreis seiner Arbeiten gehörte …“

Anlässlich einer Verkaufsausstellung bezeichnete ihn die Lippische Landes-Zeitung als den „produktivsten Aquarellisten der engeren Heimat“.

Wertvolle Aquarelle von Otto Binz zeigen das „Schloss Oesterholz“ in seiner ursprünglichen Farbigkeit

Zwei besonders wertvolle Aquarelle, geschaffen von Otto Binz, sind aus dem Lipperland in die Schweiz gelangt und hatten hier seit 1961 ihren „privilegierten“ Platz in der Wohnung des Kaufmannes Wolf H. Bühring. Das eine Bild (Hochformat, 25 cm x 36 cm) zeigt die Zufahrt mit dem nördlichen Teil des ehemaligen Herrschaftlichen Wohnhauses der einstigen Schlossanlage in Oesterholz, das andere Gemälde (Querformat, 37 cm x 22 cm) bietet einen Blick auf die Westseite des ursprünglich Herrschaftlichen Wohnhauses. Das Fachwerkgebäude ist zwischen Frühjahr 1598 und Sommer 1599 errichtet worden. Bauherr Graf Simon VI. verbrachte hier nachweislich anno 1599 das Weihnachtsfest. Zur Geschichte des Hauses gehören auch Umbaumaßnahmen in späteren Jahren. Sie haben allerdings das äußere Fachwerkgefüge des Bauwerkes nicht wesentlich verändert.

Die Bilder sind signiert, tragen allerdings kein Datum. Sie dürften gleichzeitig entstanden sein. Das Aquarell im Hochformat erlaubt eine „weiträumige“ zeitliche Eingrenzung.

Zufahrt zum „Schloss Oesterholz“ mit dem nördlichen Teil des ehemals Herrschaftlichen Wohnhauses. Der Torbogen ist 1824 wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Aquarell: Otto Binz, um 1920

Zur Sicherung des Hofplatzes ist bereits in der Zeit des Schlossbaues die östliche Zufahrt mit einem repräsentativen Tor ausgestattet worden. Anno 1665 wurde die Toranlage erneuert. Der Sandsteintorbogen musste 1824 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Die Pfeiler rechts und links präsentierten sich über 100 Jahre lang ohne Torbogen. 1929 erfolgte die erneute Vervollständigung zum Teil unter Verwendung des ursprünglichen Baumaterials. Auf dem Aquarell von Otto Binz fehlt der Torbogen. Es ist also spätestens anno 1929 gemalt worden.

Den frühestmöglichen Zeitpunkt „verrät“ die Bildgestaltung in unmittelbarer Nachbarschaft des südlichen Sandsteinpfeilers.

Räumlichkeiten im einst Herrschaftlichen Wohnhaus wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts Domizil der Oberförsterei. 1805 beantragte der Oberförster Wagener hier die Einrichtung einer Wohnung. Förster Frevert, der von 1893 bis 1915 „auf Oesterholz residierte“, wies 1912 auf die Notwendigkeit hin, an der Ostseite des historischen Wohngebäudes eine Veranda anzubauen – für die Ehefrau, die sich auf Anraten der Ärzte viel an der frischen Luft aufhalten sollte.

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Eine der ersten Schwarzweiß-Fotografien, die das „Schloss Oesterholz“ (hier die Ostseite) zeigen. Übergiebelte Dachausbauten hatte das Gebäude nur bis 1710 aufzuweisen. Im Zusammenhang mit dem Abbruch der Ausbauten erhielt das Dach Halbwalme. Aus der Bauzeit 1598/1599 geblieben ist das Fachwerk mit den Ziegelsteinausmauerungen. Foto: G. Poppe, um 1900

Der „Frischluft-Anbau“, der anno 1913 dem stattlichen Fachwerkhaus hinzugefügt wurde, ist auf dem Aquarell links neben dem Torpfeiler zu erkennen.
Otto Binz hat sich also irgendwann zwischen 1913 und 1929 der Oesterholzer Motive angenommen.

Das ehemals Herrschaftliche Wohnhaus und das Wiesenwärterhaus sind von der weitläufigen und mit weiteren Gebäuden ausgestatteten Schlossanlage übrig geblieben. Das 1598/1599 errichtete repräsentative Wohngebäude dient seit 1929 als Seniorenheim und wird im allgemeinen Sprachgebrauch als „Schloss“ bzw. „Jagdschloss“ bezeichnet. Wer an das „Schloss“ denkt, hat einen Fachwerkbau in Schwarz-weiß bzw. in Dunkelbraun-weiß vor Augen und wird sich wundern, dass die Fachwerkhölzer einmal über einen grauen Anstrich verfügten und das Mauerwerk dazwischen den Anblick roter Ziegelsteine bot. Jahrelang haben Historiker und Heinz Wiemann mit starkem Hang zur Geschichte, nach Abbildungen gesucht, die das „Schloss Oesterholz“ in seiner ursprünglichen Farbigkeit zeigen. Das Bemühen blieb ohne Erfolg.

Die Oberförsterei Kohlstädt-Horn hatte ihren Amtssitz im „Schloss Oesterholz“ (hier die Westseite). 1927 wurde der Amtssitz nach Horn verlegt, und nach der Durchführung von Umbaumaßnahmen wurde 1929 im ehemaligen Herrschaftli-chen Wohnhaus ein „Altersheim“ eröffnet. Die bauzeitlich mit Ziegelsteinen aus-gemauerten Gefache der Außenwände erhielten 1929 einen Zementmörtelputz. Foto: G. Poppe, um 1900

Die Oberförsterei Kohlstädt-Horn hatte ihren Amtssitz im „Schloss Oesterholz“ (hier die Westseite). 1927 wurde der Amtssitz nach Horn verlegt, und nach der Durchführung von Umbaumaßnahmen wurde 1929 im ehemaligen Herrschaftlichen Wohnhaus ein „Altersheim“ eröffnet. Die bauzeitlich mit Ziegelsteinen ausgemauerten Gefache der Außenwände erhielten 1929 einen Zementmörtelputz.
Foto: G. Poppe, um 1900

Im vergangenen Jahr stieß Wolf H. Bühring in seinem alpenländischen Wohnort Minusio am Lago Maggiore auf das Internet-Magazin „Schlänger Geschichte“, erfuhr hier von den auf die Historie gerichteten Interessen des Herausgebers und setzte sich mit ihm in Verbindung. Wolf H. Bühring ist ein Enkelsohn des Oberförsters Ernst Bühring, der 1850 in Schwerin geboren wurde und von 1880 bis 1893 vom „Schloss Oesterholz“ aus seines Amtes für den lippischen Fürsten waltete. Die nächste Station seiner beruflichen Laufbahn war Hattingen an der Ruhr. Ernst Bühring ist 1927 in Hiddesen verstorben. Wahrscheinlich sind über ihn die beiden Binz-Bilder in den Familienbesitz gelangt. Zwischen Wolf H. Bühring und Heinz Wiemann kam es zu einem regen Gedankenaustausch.

Gefache zwischen den Fachwerkhölzern mit Backsteinen ausgemauert und rot bemalt, dazu ein neues Fugennetz

Um den Wert der lange gesuchten und wie aus heiterem Himmel „eingeschwebten“ bildlichen Darstellungen zu ermessen, sei zunächst auf eine Besonderheit des Herrschaftlichen Wohnhauses und auch „Schloss“ genannten Bauwerkes hingewiesen. Bauhistoriker Dr. Heinrich Stiewe, Mitarbeiter an der von Heinz Wiemann herausgegebenen „Geschichte der Dörfer Schlangen, Kohlstädt, Oesterholz und Haustenbeck“ (Bielefeld 2011), hat ein grundlegendes Werk über „Fachwerkhäuser in Deutschland“ (Darmstadt 2007) verfasst. Hier ist zu lesen: „In Süddeutschland, aber auch in Westfalen sind schon seit dem Spätmittelalter Ziegelbemalungen auf Fachwerkfassaden mit Backsteinausfachung nachweisbar. Die Backsteingefache wurden mit roter Kalkfarbe überstrichen und mit einem weißen Fugennetz bemalt, das nicht immer mit den tatsächlich vorhandenen Fugen übereinstimmt und gern auch ornamental gestaltet wurde.“

Die Bauhistoriker Dr. Fred Kaspar und Peter Barthold haben eingehende Untersuchungen zur Anlage sowie zur Bau- und Funktionsgeschichte des sogenannten „Schlosses“ und der Domäne Oesterholz durchgeführt. Sie berichten in dem 2. Schlänger Geschichtsband (Bielefeld 2011) über das zweistöckige Herrschaftliche Wohnhaus u. a.: „Entsprechend der offensichtlichen Intention, mit dieser aufwendigen Dekoration den Charakter einer renaissancetypischen Steinfassade schaffen zu wollen, überstrich man die Hölzer bauzeitlich einheitlich mit dunkelgrauer (steinfarbener) Kalkfarbe. Die Gefache zwischen den Hölzern wurden mit Backsteinen ausgemauert, wobei die Fugen auf der Außenseite flach abgezogen sind. Darüber konnte eine backsteinrote Kalkschlämme dokumentiert werden, die mit einer von den Backsteinen unabhängigen Fugenbemalung versehen ist. Wohl um einen Abschluss zu markieren, wies die Bemalung am oberen Rand eines Gefaches ein ornamentales Muster auf.“

Was den ursprünglich steingrauen Anstrich der Fachwerkhölzer angeht, so sei auch Heinrich Stiewe („Fachwerkhäuser in Deutschland“) zitiert. Der Grund für die Farbwahl liegt darin, dass „seit der Mitte des 16. Jahrhunderts eine immer stärkere Orientierung des Fachwerkbaus an Formen der Steinarchitektur der Renaissance zu beobachten ist“. Was für die Form von Bedeutung war, galt auch für die Farbe.

Wer sich dem Herrschaftlichen Wohnhaus in Oesterholz in den ersten Jahrhunderten näherte, sah als dominierende Farbe nicht weiß, sondern rot. Wie die Bauhistoriker Dr. Fred Kaspar und Peter Barthold ausführen, dürften die Fassaden des Herrschaftlichen Wohnhauses in den Jahren 1810 bis 1812 „eine Putzhaut erhalten haben. Dieser Putz ist im Laufe des 19. Jahrhunderts wegen mangelnder Pflege weitgehend wieder abgewittert.“ Am südlichen Giebel des Hauses hatte sich unter jüngeren Putzschichten die bauzeitliche Fassadengestaltung erhalten. Im Zusammenhang mit 2006 bis 2009 erfolgten Um- und Ausbauarbeiten wurde eines der ursprünglichen Gefache freigelegt und kann besichtigt werden.

Am südlichen Giebel des Herrschaftlichen Wohnhauses hatte sich unter jüngeren Putzschichten ein Relikt der bauzeitlichen Fassadengestaltung erhalten. Die mit Backsteinen ausgemauerten Gefache wurden 1598 mit Kalkputz geglättet und danach mit roter Kalkschlämme versehen. Ausgemalte weiße Fugen und andere Schmuckformen bildeten eine Ornamentierung der Ziegelausfachung. Der authentische Hinweis auf das ursprüngliche Aussehen des Herrschaftlichen Wohnhauses wurde freigelegt und kann besichtigt werden. Foto: A. Hoffmann, 2015

Am südlichen Giebel des Herrschaftlichen Wohnhauses hatte sich unter jüngeren Putzschichten ein Relikt der bauzeitlichen Fassadengestaltung erhalten. Die mit Backsteinen ausgemauerten Gefache wurden 1598 mit Kalkputz geglättet und danach mit roter Kalkschlämme versehen. Ausgemalte weiße Fugen und andere Schmuckformen bildeten eine Ornamentierung der Ziegelausfachung. Der authentische Hinweis auf das ursprüngliche Aussehen des Herrschaftlichen Wohnhauses wurde freigelegt und kann besichtigt werden.
Foto: Ansgar Hoffmann, 2015

1929: Außenputz in Zementmörtel

Das Aussehen des Gebäudes erfuhr im Sommer 1929 eine erhebliche Veränderung. Nach der Verlegung der Oberförsterei konnte am 15. Mai 1929 das im ehemaligen Jagdschloss Oesterholz eingerichtete „Altersheim“ seiner Bestimmung übergeben werden. Ein Teil des Heimes war bereits bewohnt, als Maurermeister Fritz Voß in Schlangen (Parkstraße Nr. 269) unter dem Datum des 21. Juli 1929 von der Bauabteilung der Lippischen Regierung die folgende Mitteilung erhielt: „Auf Grund Ihres Kostenanschlages vom 8. März des Jahres erteilen wir Ihnen hiermit den Auftrag zur Ausführung des äußeren Wandputzes des Altersheimes in Oesterholz. Die Ausführung ist baldmöglichst in Angriff zu nehmen …“ Am 14. August 1929 wurde amtlicherseits festgestellt, „daß der Putz an der Rückseite noch ausgeführt werden muß“.

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Die zweite wertvolle Darstellung des „Schlosses“ in seiner ursprünglichen Farbigkeit vermittelt einen Blick von der Hofseite aus. Im Jahr 1929 wurde das Aussehen des damals 330 Jahre alten Gebäudes erheblich verändert. Aquarell: Otto Binz, um 1920

Für ca. 450 Quadratmeter „Außenputz in Zementmörtel herzustellen“ (drei Teile Kiessand, ein Teil Zement) hatte Fritz Voß am 8. März 1929 insgesamt 1.057,50 Reichsmark veranschlagt. Er hatte sein Angebot bereits am 25. Juni 1929 aufstocken müssen, weil eine inzwischen erfolgte Lohnerhöhung um 14 Prozent aufzufangen war.

Das Seniorenheim Oesterholz-Haustenbeck 400 Jahre nach der Errichtung als Herrschaftliches Wohnhaus und 70 Jahre nach der Abdeckung der roten Ziegel-steingefache durch Zementmörtel. Foto: H. Wiemann, 1999

Das Seniorenheim Oesterholz-Haustenbeck 400 Jahre nach der Errichtung als Herrschaftliches Wohnhaus und 70 Jahre nach der Abdeckung der roten Ziegel-steingefache durch Zementmörtel.
Foto: H. Wiemann, 1999

Vor der Durchführung der Verputzarbeiten war „eine Ausbesserung des Holzwerkes an manchen Stellen notwendig“. Den Auftrag zur Durchführung entsprechender Maßnahmen erhielt Zimmermeister Huneke in Schlangen. Im Auftragsschreiben, das Malermeister Beckmann in Oesterholz zugeschickt wurde, war vermerkt: „Nach den Putzarbeiten ist der Anstrich der Holzteile vorzunehmen. Für die Ausführung der Arbeiten steht das Gerüst des Maurermeisters Voß zur Verfügung.“ Für die Lieferung von 100 Kilogramm Karbolineum (Nr. 53, dunkelbraun) sorgte die Regierungs-Bauabteilung. Um weitere 100 Kilogramm Karbolineum der Nummer 53 sowie um 30 bis 40 Kilogramm Nr. 61 (hellgelb) wurde die Chemische Fabrik Schacht in Braunschweig am 14. August 1929 ersucht (Hinweise zu den Handwerkerarbeiten: Landesarchiv NRW/OWL L80.22 Nr. 694).

 

Bildliche Darstellungen mit großer Treue zum Motiv

 

Kehren wir noch einmal zu Otto Binz und seinen „Schloss“-Aquarellen zurück. Der Wert der Gemälde liegt u. a. darin, dass sie die Kenntnisse über den in Lippe bekannten Maler und sein Schaffen erweitern und vertiefen. Die Art der Darstellung des „Schlosses“ auf den „Schloss“-Bildern ist für Otto Binz typisch und lenkt Gedanken auf den Fotorealismus der 1960er und frühen 1970er Jahre.

In einem Gespräch teilte Waltraut Preuß, 1928 geborene Enkeltochter des Malers mit: „Meinem Großvater war die naturgetreue Wiedergabe der Bildmotive sehr wichtig. In seinen vor Ort angefertigten Skizzen hat er die Realität möglichst genau dokumentiert. Wenn nötig, stattete er seinen Objekten wiederholt Besuche ab. Die Möglichkeiten der Fotografie hat er außerdem bereits früh und ausgiebig genutzt. Mein Vater, der auch gemalt hat, hielt Großvaters Arbeitsweise für viel zu pingelig.“ Schon von Berufs wegen waren dem Maler Otto Binz Sorgfalt und Genauigkeit selbstverständlich, die „Liebe zum Detail“ gehörte zu seinen besonders ausgeprägten Eigenschaften.

In diesem Zusammenhang berichtet Stefan Wiesekopsieker, dass Otto Binz als Lithograf sein berufliches Können auf seine Malerei übertragen habe. Hermann Ludwig Schäfer führt in der Lippischen Landes-Zeitung vom 30. März 1957 aus: „Abgeneigt allen künstlerischen Theorien, die er geradezu übersah, und abhold allen Auseinandersetzungen über Kunst und künstlerische Dinge, war Malen seine Leidenschaft, und seine einzige Freude an der Kunst bestand darin, die Natur mit größter Treue im Aquarell darzustellen oder in Öl auf die Leinwand zu übertragen.“

So kommt auch den beiden „Schloss“-Bildern in hohem Maße Authentizität zu. Sie sind nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung die einzigen farbgetreuen Darstellungen des ehemals Herrschaftlichen Wohnhauses in der Zeit vor 1929. Die Aquarelle vermitteln in eindrucksvoller Weise und umfassend Kenntnisse über die Farbgestaltung der Außenwände seit der Fertigstellung des Gebäudes anno 1599 bis zum Beginn der Nutzung als „Altersheim“ 330 Jahre später. Über Oesterholz hinaus sind die beiden Werke des Malers und Lithografen Otto Binz ein wertvoller Beitrag auch zur Baugeschichtsforschung in der Region Ostwestfalen-Lippe.

Wolf H. Bühring hat die Dokumentationen Heinz Wiemann zur Verfügung gestellt – mit dem Wunsch, ihnen einen angemessenen Platz zu bieten. Die Aquarelle werden dem Kreisseniorenheim Oesterholz-Haustenbeck im Rahmen einer Feierstunde übereignet. Ihren Weg vom Ufer des Lago Maggiore in der Schweiz bis zur Nähe des Haverkampsees in Schlangen haben die wertvollen Bilder bereits hinter sich. Dem Ehepaar Bühring gilt herzlicher Dank.

(Publiziert am 22. Juli 2016)

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