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Die Geschichte der Schmiede Mötz begann vor 200 Jahren – Schlänger Geschichte
Die Geschichte der Schmiede Mötz begann vor 200 Jahren Reviewed by Heinz Wiemann on . Von Heinz Wiemann Am 27. Oktober 1814 suchten der Kolon Johann Friedrich Christoph Schäferjohann (Nr. 26) und der Grobschmied Justus Runte (Nr. 50) aus Schlange sfsdfsdfsdf Von Heinz Wiemann Am 27. Oktober 1814 suchten der Kolon Johann Friedrich Christoph Schäferjohann (Nr. 26) und der Grobschmied Justus Runte (Nr. 50) aus Schlange Rating: 0

Die Geschichte der Schmiede Mötz begann vor 200 Jahren

Von Heinz Wiemann

Am 27. Oktober 1814 suchten der Kolon Johann Friedrich Christoph Schäferjohann (Nr. 26) und der Grobschmied Justus Runte (Nr. 50) aus Schlangen das Fürstlich Lippische Amt in Horn auf. Der Kleinbauer Schäferjohann „trug vor: Er habe vor einigen Jahren die Straßenkötterstätte Dreier Nr. 44 in Schlangen geerbt, könne solche aber neben seiner erheirateten Schäferjohannschen Hoppenplöckerstätte nicht unterhalten und habe sich daher entschlossen, diese an den erschienenen Grobschmied Justus Runte in Schlangen zu verkaufen“.

Von Häusern, Hausnummern und Hausnamen

Zur Orientierung folgen ein paar Anmerkungen zu den mit den alten Hausnummern verbundenen Häuserstandorten.

Schlangens Dorfschmiede Runte mit der Hausnummer 50 hatte ihren ur-sprünglichen Platz an der Stelle, an der 1833/1834 der Kaufmann Wippermann sein Gasthaus (später Gasthof Koch) errichtete. 1832 hatte ein Häusertausch stattgefunden: Runte war in das Haus Wippermann (heute steht dort das Schuhhaus Dreier) gezogen und hatte die Nummer 50 mitgenommen, während die neue Besitzung Wippermann seit dieser Zeit unter der Nummer 74 geführt wurde. Der Käufer der Straßenkötterstätte Dreier Nr. 44 war bekannt unter dem Vornamen Justus, hieß aber Friedrich August Runte. Der Grobschmied wurde 1781 geboren – als Spross eines geachteten lippischen „Schmiedegeschlechtes“. Am 13. November 1814 hat er geheiratet.

J.F.C. Schäferjohann, der die Hoppenplöckerstätte Schäferjohann Nr. 26 „erheiratet“ hat, war 1775 geboren worden als Sohn des Barthold Kampschröder (Nr. 23), und so trug er auch dessen Hausnamen. Als J.F.C. Kampschröder 1788 konfirmiert wurde, hieß er Dreier. Seine Mutter hatte inzwischen als Witwe den Rademacher und Straßenkötter Johann Friedrich Dreier (Nr. 44) geheiratet. Diese zweite Ehe blieb kinderlos. 1797 trat J.F.C. Dreier, geb. Kampschröder, mit der Schäferjohann-Erbin vor den Traualtar und übernahm mit der Stätte auch den Stättenamen. So hat er es in seinem Leben auf drei Hausnamen gebracht. Dass der neue Besitzer einer bäuerlichen Stätte den Namen des Vorbesitzers bzw. den Hofnamen annahm, war üblich. Das Anwesen Schäferjohann Nr. 26 nahm den Platz ein, auf dem heute das „Apothekenhaus“ Hanke in der Ortsmitte steht.

Bei der Straßenkötterstätte Dreier Nr. 44 handelt es sich um die spätere Schmiede Mötz (Langetalstraße Nr. 4), zu der ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb gehörte. Der Name Adam Dreier, u. a. in einem Verzeichnis aus dem Jahr 1620 genannt, blieb lange an der Stätte haften, auch als der Besitzer längst Runte hieß. Zu Zeiten der Schmiede Mötz war im örtlichen Sprachgebrauch noch von der „Dreggerschmie“       (= Dreierschmiede) die Rede.

Der Rademacher Johann Eberhard Schröder hat die Stätte Nr. 44 im Jahr 1753 erworben, den Namen Dreier angenommen und ist hier seinem Beruf nachgegangen. Ihm ist der Sohn Johann Friedrich als Eigentümer und Rademacher gefolgt. Nach der bereits erwähnten Heirat mit der Witwe Anne Marie Ilsebeim Kampschröder hat letzterer als Stiefvater des späteren Erben J.F.C. Schäferjohann fungiert.

Die 1814 genannten Bezeichnungen Hoppenplöckerstätte und Straßenkötterstätte weisen auf zwei der elf anno 1767 festgesetzten Steuerklassen hin. In beiden Fällen ging es um Kleinstätten.

Schmiedemeister aus drei Runte-Generationen

Johann Friedrich Christoph Schäferjohann, geb. Kampschröder, legte auf dem Amt in Horn dar, worauf er sich mit dem Käufer des Erbes geeinigt hatte. So war Justus Runte bereit „für die ganze Dreiersche Stätte“ die Summe von 575 Reichstalern zu bezahlen, und so übergab der „Verkäufer dem Käufer die Stätte Nr. 44 von heute an erb- und eigenthümlich“. Damit waren gute Voraussetzungen für den Wandel vom Rademacher- zum Schmiedehandwerk geschaffen. Die Fürstlich Lippische Vormundschaftliche Regierung genehmigte den Verkauf zu den am 27. Oktober 1814 protokollierten Bedingungen am 21. Februar 1815.

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Das 1908 abgebrochene Fachwerkhaus Runte Nr. 44 mit dem neuen Schmiedeanbau. Foto: G. Poppe, 1908

Drei tüchtige Schmiedemeister aus drei Runte-Generationen waren im Lauf der Jahre in der „Dreggerschmie“ tätig. Der Hufbeschlag gehörte ebenso zur Arbeit wie beispielsweise das Anfertigen von Pflügen und Eggen sowie das Aufziehen von Eisenreifen auf hölzerne Wagenräder. 1907 ersetzte Friedrich Runte einen kleinen Fachwerkanbau, in dem die Schmiede untergebracht war, durch eine massiv aufgemauerte Werkstatt. Das alte Schmiedehäuschen wurde auf dem Linsenberg wieder aufgebaut und diente dem Landwirt Lübbertsmeier Nr. 7 noch lange als Schutzhütte. Dem Fachwerk-Wohnhaus mit großer Deele und Stallungen folgte 1908 ein zweigeschossiges Ziegelsteingebäude. Das alte Haus hatte zwar das Brandunglück des Jahres 1904 unversehrt überstanden, war aber vom Zahn der Zeit schon arg zugerichtet worden. Und vor allem hatte sich bei stärkerem Regen abfließendes Wasser seinen Weg regelmäßig von der wiederholt höher gelegten Straße auf die Deele gebahnt. Ursprünglich trug die Langetalstraße die Bezeichnung „Inner Grube“.

Richard Mötz kam als Wandergeselle und übernahm 1928 die Schmiede und die kleine Landwirtschaft

Im März 1928 gingen die Schmiede und das Kolonat des Schmiedemeisters Friedrich Runte Nr. 44 in den Besitz des Schwiegersohnes Richard Mötz über. Lina Mötz, geborene Runte, 1887 zur Welt gekommen, hat mir 1975 berichtet: „Mein Mann Richard kam als Wandergeselle im Jahre 1901 aus Lossa in Thüringen nach Schlangen. Er hatte als zweiter Sohn eines Bauern das Schmiedehandwerk erlernt. Zusammen mit einem Freund klopfte er bei meinem Vater Friedrich Runte an. Mein Vater konnte gut einen Gesellen gebrauchen und fragte: ‚Hat nicht einer von euch beiden Lust, hier zu bleiben?‘ Richard Mötz blieb, legte sein Bündel ab und setzte sich gleich mit an den Mittagstisch. Es gab sein Lieblingsgericht: Steckrüben mit Ziegenfleisch. Mein Mann stand noch am gleichen Tag am Amboss. Später hat er mir gesagt, dass es schon am ersten Tag, als er mich gesehen hat, für ihn festgestanden habe: Das wird meine Frau. Die Hochzeit war am 4. Februar 1910.“

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Schmiedemeister Richard Mötz (2. von links) und seine Mitarbeiter Ernst Runte, Albert Mötz, Walter Schnellert (aus Thüringen) und Richard Mötz. Foto: Sammlung Wiemann, 1928

Schon zwei Jahre vor der Hochzeit hatte Richard Mötz die Prüfung zum Schmiedemeister bestanden. Zu den Aufgaben, die gemeistert werden mussten, hatte gezählt, die Pferde des Fürsten mit neuen Hufeisen auszustatten. Die zusätzlichen Arbeiten im kleinen Landwirtschaftsbetrieb bereiteten dem Bauernsohn und Schmiedemeister keine Schwierigkeiten. Durchschnittlich wurden drei Kühe und sechs Schweine gehalten. Aus dem Jahr 1824 ist überliefert, dass zu der Straßenkötterstätte Nr. 44 rund neun Scheffelsaat (rd. 15.500 qm) Landbesitz gehörten – u. a. an der Meintrekte, auf dem alten Felde, am Honnerberge, am Sandweg und am Weg nach Kohlstädt. Die Flächengröße ist nach und nach auf vier Hektar (40.000 qm) gestiegen.

Schlaglichtartig sei auf das Arbeitsfeld der Lina Mötz hingewiesen: 1975 hat sie mir mitgeteilt: „Als Kind musste ich oft in der Schmiede den Schleifstein drehen. So wurden beispielsweise zu der Verlosung auf dem Schlänger Markt die bei uns entstandenen Schüppen, Hacken, Beile, Heidesiebete blank und scharf geschliffen.“ Im Alter von 93 Jahren hat Lina Mötz noch den „Schwuinepott“ gekocht. Dazu musste mit der Schneidelade das Grünfutter klein geschnitten werden.

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Schmiedemeister Richard Mötz sen. mit seinem Kuhgespann. Foto: Sammlung Wiemann, 1935

Die Schmiede Mötz wurde 1975 geschlossen

Richard Mötz, 1910 geborener Sohn der Lina Mötz, ging zu seinem Vater Richard Mötz in die Lehre, wurde 1928 Geselle, bestand 1931 die Hufbeschlagprüfung und legte 1935 mit Erfolg die Schmiedemeisterprüfung ab. 1947 heiratete er Erika Stecker aus Klüt. 1950 übernahm Richard Mötz den Handwerksbetrieb mit der kleinen Landwirtschaft dazu. 1975 begann der sogenannte Ruhestand. Der Meister schloss die Schmiede am 31. Oktober, war aber noch häufig an Amboss und Esse anzutreffen. Richard Mötz war bekannt und beliebt im Dorf, was mit seiner beruflichen Kompetenz zu tun hatte und auch damit, dass er sich als Mitglied verschiedener Vereine engagiert betätigte. Er ist 1993 gestorben.

Seit 2005 wird die Schmiede zeitweise wieder geöffnet – als Museum, in dem ein Stück Alt-Schlangen ein Zuhause hat.

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Meister Richard Mötz im 65. Lebensjahr – kurz vor der Schließung der „Dreggerschmie“. Foto: H. Wiemann, 1975

(Publiziert am 27. September 2014)

 

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