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Einer der ältesten Mammutbäume Lippes wächst seit über hundert Jahren in Schlangen – Erinnerungen an die Pflanzung und an die Hausgehilfin Benita – Hinweise auf „Artgenossen“ – Schlänger Geschichte
Einer der ältesten Mammutbäume Lippes wächst seit über hundert Jahren in Schlangen – Erinnerungen an die Pflanzung und an die Hausgehilfin Benita – Hinweise auf „Artgenossen“ Reviewed by Klaus-Peter Semler on . Von Heinz Wiemann Im Garten des Hauses Kleffner an der Detmolder Straße, nahe dem Kreisverkehr, wächst ein Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum). Er steht hier sfsdfsdfsdf Von Heinz Wiemann Im Garten des Hauses Kleffner an der Detmolder Straße, nahe dem Kreisverkehr, wächst ein Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum). Er steht hier Rating: 0

Einer der ältesten Mammutbäume Lippes wächst seit über hundert Jahren in Schlangen – Erinnerungen an die Pflanzung und an die Hausgehilfin Benita – Hinweise auf „Artgenossen“

Von Heinz Wiemann

Im Garten des Hauses Kleffner an der Detmolder Straße, nahe dem Kreisverkehr, wächst ein Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum). Er steht hier seit dem Jahr 1910 und beherrscht mit seiner beachtlichen Größe das Straßenbild. Der Besitzer von Haus und Garten anno 1910 war der ortsbekannte Arzt Dr. Carl Starke.
Der Mediziner stammte aus Detmold und führte seine Praxis seit 1892 zunächst im Haus Lahme Nr. 49 zwischen den Gasthöfen Sibille und Koch.

Die Gärtnerei Friedrich Bornemeyer in Horn wurde 1910 damit beauftragt, den Garten in Schlangen zu gestalten. Unter den Gärtnern war der 17jährige Fritz Bornemeyer, der sich vom Herbst 1907 bis zum April 1911 als Lehrling im väterlichen Betrieb betätigte. Ich habe den 87jährigen Fritz Bornemeyer im Jahr 1980 einige Male in Horn besucht. Er konnte sich gut daran erinnern, dass er den Mammutbaum als besonders wertvolles Bäumchen im Garten des Dr. Carl Starke gepflanzt hat.

Als Gärtnerlehrling in dem Betrieb seines Vaters pflanzte Fritz Bornemeyer den Mammutbaum im Herbst 1910 im Garten des Arztes Dr. Carl Starke. Die Aufnah-me ist 1980 entstanden, als Fritz Bornemeyer im Alter von 87 dem zu einem Prachtexemplar gediehenen Baum einen Besuch abstattete. Foto: H. Wiemann

Als Gärtnerlehrling in dem Betrieb seines Vaters pflanzte Fritz Bornemeyer den Mammutbaum im Herbst 1910 im Garten des Arztes Dr. Carl Starke. Die Aufnahme ist 1980 entstanden, als Fritz Bornemeyer im Alter von 87 Jahren dem zu einem Prachtexemplar gediehenen Baum einen Besuch abstattete.
Foto: H. Wiemann

Für die Herkunft des Schlänger Mammutbaumes gebe es drei Möglichkeiten. Entweder stamme er aus der eigenen kleinen Baumschule in Horn oder aus der eines (nicht mehr bekannten) Kollegen oder aus der damals im Entstehen begriffenen Detmolder Hollandia Baumschule Dirk Gouldemond. Am wahrscheinlichsten sei, dass die Pflanze bei Dirk Gouldemond erworben wurde. „Wenn letzteres zutrifft, vermute ich, dass sich Gouldemond den Samen von dem 1858 im Detmolder Palaisgarten gepflanzten Mammutbaum besorgt hat.“

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Vom Wiedersehen nach 70 Jahren und von alten Zeiten

Nach 70 Jahren, im August 1980, hat Fritz Bornemeyer dem Mammutbaum in Schlangen einen Besuch abgestattet. Als sich der Gärtnermeister i. R. dem Baum näherte, war er sehr überrascht. „Donnerwetter, ist das ein Bello geworden!“ lautete sein erster Kommentar. Zu den Erinnerungen an die Zeit der Baumpflanzung zählte auch Benita, die Hausgehilfin des Arztes Dr. Starke. Sie wärmte den Gärtnern aus Horn das in „Henkelmännern“ mitgebrachte Mittagessen auf. Fritz Bornemeyer, der den vom Vater übernommenen Betrieb zu schöner Blüte geführt hat, ist 1982 verstorben.
Die Küstensequoie gilt als höchster und der Mammutbaum, ihr „Vetter“, als mächtigster Baum der heutigen Flora. Der weltweit größte Mammutbaum gedeiht in der Sierra Nevada, der kalifornischen Gebirgskette, und ist mit seinen 96 Metern nur 14 Meter kleiner als die höchste Küstensequoie. Würde der bekannte Mammutbaumriese am Start einer 100-Meter-Laufbahn gefällt, könnte seine Spitze fast die Zielgerade erreichen. Ein „Artgenosse“ verfügt über einen Stammesumfang an der Basis von 33 Metern und ein Alter von 3.500 Jahren. Einige der dicksten Mammutbäume sind vermutlich um die 4.000 Jahre alt.

Mammutbaum, gepflanzt um 1860 (lt. H. Harms) im Palaisgarten in Detmold.

Mammutbaum, gepflanzt um 1860 (lt. H. Harms) im Palaisgarten in Detmold.

Weiteres zum Thema „Mammutbaum und Vergangenheit“: Im „Großen Buch der Bäume“ heißt es: „Früher, vor den Eiszeiten wuchsen Mammutbäume in vielen Teilen der Erde, von Amerika bis Spitzbergen und Italien. Auch einige Braunkohlevorkommen in Deutschland sind Überreste von Sequoienwäldern. Doch wie viele andere Bäume haben sie sich in ein Revier zurückgezogen, das ihnen ideale Bedingungen bot, und dies war Kalifornien …
In der Kultur hat sich der Mammutbaum als winterfest und anpassungsfähig erwiesen. Es war eine Sensation, als er 1853 in Europa eintraf. Die große Libanonzeder-Mode war fast vorbei und nun wurde der Mammutbaum zum neuesten letzten Schrei. Überall in Europa zog man ihn als Parkbaum und baute ihn sogar forstwirtschaftlich an, in Deutschland beispielsweise bei Weinheim an der Bergstraße. Inzwischen haben die Bäume dort etwa 50 Meter erreicht und gedeihen prächtig.“

 

 

 

Die ältesten Mammutbäume Lippes in Detmold, Oerlinghausen und Schlangen

Die ältesten Mammutbäume Lippes stehen in Detmold, Oerlinghausen und Schlangen. Insgesamt gesehen ist ihre Geschichte nur fragmentarisch überliefert.

Mammutbaum, gepflanzt vor rund 100 Jahren (lt. H. Harms) im Palaisgarten in Detmold.

Mammutbaum, gepflanzt vor rund 100 Jahren (lt. H. Harms) im Palaisgarten in Detmold.

Der größere und in seiner Gestalt eindrucksvollere der beiden Mammutbäume im Detmolder Palaisgarten stammt, folgt man dem Dendrologen Harry Harms, aus Samen, die William Lobb 1853 von seiner dritten Amerikareise nach Europa brachte. Im Schlossgarten von Oldenburg wächst ein weiterer Mammutgigant, der aus dem „Samenmitbringsel“ von 1853 hervorgegangen ist. Zu dem für lippische Verhältnisse alten Mammutbaum im Palaisgarten schrieb Museumsdirektor i. R. Oskar Suffert 1962: „Der König unter den Fremdlingen im Palaisgarten ist der Mammutbaum … Der Baum hatte 1948 in 1,30 Metern Höhe einen Umfang von 5 Metern (im Juli 1962: 5,36 m). Er ist der stärkste seiner Art in Detmold.“

Der zweite Palaisgarten-Mammutbaum hat seinen Platz nahe der Straße Detmold-Heiligenkirchen. Sein Umfang betrug 1962 um 2,80 Meter und sein Alter dürfte (lt. Harry Harms) bei 100 Jahren liegen.

Mammutbaum, gepflanzt vor über 100 Jahren (nach Meinung von Forstexperten) am Alten Postweg in Detmold.

Mammutbaum, gepflanzt vor über 100 Jahren (nach Meinung von Forstexperten) am Alten Postweg in Detmold.

Zur Herkunft des wissenschaftlichen Gattungsnamens Sequoiadendron giganteum führte Oskar Suffert aus: „Den Namen gab ihm der Wiener Botaniker und Sprachforscher Endlicher, und zwar soll es geschehen sein zu Ehren des 1843 verstorbenen Cherokesenhäuptlings Sequo-Yah, der bei den europäischen Sprachgelehrten sehr angesehen war.“

Häuser und Bäume sind ein Kapitel für sich. In der Regel folgen Baumanpflanzungen dem Hausbau. Am Alten Postweg in Detmold allerdings ragte bereits ein Mammutbaum mächtig in die Höhe, als dicht neben ihm anno 1990 das Haus Nr. 19 gebaut wurde. So bereitete das kräftige Wurzelwerk dem Hauserbauer auch Probleme. Die Geschichte des Baumes ist unbekannt. Sein Alter wird auf über 100 Jahre geschätzt.

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Mammutbaum, gepflanzt vor über 100 Jahren (nach Meinung von Forstexperten) an der Bandelstraße in Detmold.

Mammutbaum, gepflanzt vor über 100 Jahren (nach Meinung von Forstexperten) an der Bandelstraße in Detmold.

 

Mammutbaum, gepflanzt in den 1870er Jahren (lt. mündlicher Überlieferung) an der Detmolder Straße in Oerlinghausen.

Mammutbaum, gepflanzt in den 1870er Jahren (lt. mündlicher Überlieferung) an der Detmolder Straße in Oerlinghausen.

 

 

 

Der prächtige Mammutbaum hinter dem Haus Nr. 11 an der Bandelstraße in Detmold kann nach Meinung der Experten ebenfalls auf über 100 Jahre „zurückblicken“. Er dürfte nach der 1896 erfolgten Fertigstellung des Gebäudes gepflanzt worden sein.

Aktenkundig geworden ist auch die Geschichte des Mammutbaumes auf dem Grundstück des Hauses Nr. 23 an der Detmolder Straße in Oerlinghausen nicht. Von einer früheren Eigentümerin hat Jörg Westphal, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe, erfahren, dass der Baum als junge Pflanze in den 1870er Jahren von Gärtnern einer Bielefelder Gärtnerei in den Boden gesetzt worden ist – nach dem Hausbau.

Der besondere Baum am „Doktorhaus“ fand zunächst keine besondere Beachtung

In Schlangen an der Detmolder Straße und begrenzt vom Querweg im Norden liegt das Grundstück Kleffner, auf dem ein Haus steht, dessen Bau am 25. Oktober 1905 genehmigt wurde. Im Garten des Hauses wächst seit 1910 ein Mammutbaum, einer der „Veteranen“ des Lipperlandes, von dem bereits die Rede war. Nach dem Vermessungsregister von 1823/24 lag hier ein „Garten mit etwas Wiesenwachs“, der dem Kolon Budde Nr. 10 gehörte. Hofeigentümer war anno 1905 Julius Keiser (geb. 1869, gest. 1939). Er ließ das Gebäude an der „Landeschaussee Detmold-Schlangen“ errichten und verkaufte es dem Arzt Dr. Carl Starke. Und weil nach Dr. Starke weitere Mediziner im Haus ihre Praxis führten, trug das Gebäude lange Jahre die Bezeichnung „Doktorhaus“, und für den jetzigen Querweg hatte sich der Name „Doktorweg“ eingebürgert.

Der Mammutbaum, der dem Arzt Dr. Starke 1910 in den Garten gepflanzt wurde, wäre möglicherweise als „Doktorbaum“ bekannt geworden, wenn er in seinen „jungen Jahren“ besondere Beachtung gefunden hätte. In ihrer Ausgabe vom 20. Mai 1958 berichtete die Lippische Rundschau: „Am westlichen Abhang des Teutoburger Waldes, in Schlangen, steht seit etwa 50 Jahren ein seltenes Exemplar der Sequoia (Mammutbaum) im Garten eines Dorfbewohners, ohne dass dieser wahrscheinlich weiß, was bei ihm im Garten wächst. Dieser Baum, der eigentlich unter Naturschutz stehen müsste, ist ein kalifornischer Nadelbaum, der über 100 Meter hoch wird und 4.000 Jahre alt werden kann. Es ist schade, dass sich bis heute in Schlangen noch keiner um dieses seltene Mammutbaum-Exemplar, das leicht der Axt zum Opfer fallen könnte, gekümmert hat … Wahrscheinlich wird dieser Baum als Zypresse angesehen.“ (Anmerkung: Der Mammutbaum gehört zur Familie der Zypressengewächse.)

Mammutbaum, gepflanzt im Herbst 1910 im Garten des Dr. Carl Starke (jetziger Eigentümer: Adolf Kleffner) in Schlangen. Sämtliche Baumfotos: A. Hoffmann, 2007

Der exotische Baum, „der eigentlich unter Naturschutz stehen müsste“, wurde unter Naturdenkmalschutz gestellt. Noch im gleichen Jahr, am 3. November 1958, erklärte sich der Eigentümer Dr. Aldegarmann mit der Unterschutzstellung einverstanden. Mit einer Unterbrechung ist der Schlänger Mammutbaum nach wie vor in der Liste der lippischen Naturdenkmale vertreten.

Naturfreunde passen auf

Im Zusammenhang mit dem Bau des „Doktorhauses“ wurde im Lageplan vermerkt: „Die Bauflucht ist 3,50 Meter von dem Bordstein der Chaussee entfernt.“ Inzwischen ist die verkehrsreiche Detmolder Straße mit ihrem Bürgersteig durch Baumaßnahmen dicht an das Gebäude und den Mammutbaum herangerückt. Der größte Teil des Baumumfeldes ist wasserdicht versiegelt. Um so mehr steht das Prachtexemplar unter gewissenhafter Beobachtung der amtlichen Naturschützer. Darüber hinaus fühlen sich viele Heimatfreunde verantwortlich für das Wohlergehen des „Bigtree“, der seine Wurzeln in Amerika hat. Als einmal die Krone des Baumes trocken zu werden schien, erstatteten gleich zehn Anrufer Meldung bei der Gemeindeverwaltung. Verglichen mit der ersten Hälfte seines „jungen“ über 100jährigen Lebens ist das Naturdenkmal recht prominent geworden.
Am 1. März 2007 teilte Jörg Westphal, der Leiter der Unteren Landschaftsbehörde, mit: „Wegen auffällig brauner Benadelung wurde der Mammutbaum 1993 von einem Gutachter überprüft mit dem Ergebnis, dass dafür sehr wahrscheinlich physiologische Ursachen in Verbindung mit klimatischen Belastungsfaktoren verantwortlich sind. In den Jahren 2003 und 2006 wurde der Mammutbaum erneut gutachterlich untersucht. Grund hierfür waren die zum Teil massiven Astausbrüche. Das Schlänger Naturdenkmal ist mehr in die Breite gewachsen und unterscheidet sich damit von den eher schlanken Detmolder Exemplaren. Darin liegt m. E. auch die besondere Auffälligkeit zum Astausbruch begründet. In den Jahren 1994, 1996, 2003 und jetzt wiederum nach dem Orkan Kyrill wurden mir Astausbrüche gemeldet. Mitverantwortlich können natürlich auch Stressfaktoren wie Wassermangel sein.“

Am 9. März 2012 berichtete die „Schlänger Zeitung“ u. a.:
„Kurz vor Weihnachten 2011 war bei einem Sturmtief ein größerer Ast herausgebrochen. Glücklicherweise hatte er nur geringen Schaden auf dem Nachbargrundstück angerichtet. Das war der Anlass für Jörg Westphal von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe, den Baum von einem Gutachter untersuchen zu lassen. Schließlich ist der hohe Baum ein Naturdenkmal. Das Ergebnis: Der Mammutbaum braucht einen Entlastungsschnitt. Ungefähr so, als wenn Fingernägel und Haare geschnitten werden. Und diese Aufgabe hatten die Baumpfleger, die an diesem Morgen anrückten.“

Hinzugefügt sei, dass die Baumpfleger anno 2012 auch Maß genommen und dem Schlänger Mammutbaum eine Höhe von 27,50 Metern attestiert haben.

(Publiziert am 22. Juni 2016)

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