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„Heinz, wir kaufen einen Computer“ – Schlänger Geschichte
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„Heinz, wir kaufen einen Computer“

Von Dieter Brand

Ob der folgende Beitrag etwas mit dem Förderverein zu tun hat – ich würde sagen, direkt nicht, aber indirekt schon. Auf jeden Fall hat er etwas mit Heinz Wiemann zu tun. Es geht mir nicht um biographische Daten, die kann man an anderer Stelle nachlesen, sondern darum, wie es zu meiner langjährigen Zusammenarbeit mit Herrn Wiemann kam, die dann letztendlich zum Entstehen dieser Homepage führte.

Im Dezember 1973 trat ich meinen Dienst an der Wilhelmschule in Dorsten an. Heinz war damals Konrektor. Schon nach kurzer Zeit wurde unser Verhältnis etwas persönlicher, als das normalerweise zwischen Konrektor und Lehrer der Fall ist. Das war wohl darauf zurückzuführen, dass ich aus Detmold kam, wo er sich ja bestens auskannte. Heimat verbindet eben, erst recht in der „Fremde“.

Im Laufe der nächsten Jahre konnte ich feststellen, wie sehr er sich seinem Heimatort verbunden fühlte, und in gewisser Weise betraf das auch mich. Manchmal fuhren wir gemeinsam nach Schlangen, wenn er dort etwas zu erledigen hatte und Hilfe brauchte. Beispielsweise ging es einmal um eine Ausstellung in der Volksbank. Bei der Gelegenheit wurde ich sogar Mitglied, denn ich brauchte für die Anschaffung eines neuen Autos einen Kredit, und die Konditionen erschienen mir recht günstig. Auch war Schlangen oder die nähere Umgebung häufig Ziel seiner Klassenfahrten, und ich nahm als Begleitperson daran teil. Computer waren für uns zu der Zeit aber nie ein Thema.

Das änderte sich, zumindest für mich, als in den 80er Jahren die sogenannten Homecomputer auf den Markt kamen. In einigen Kaufhäusern gab es Abteilungen, in denen diese Geräte in größerer Anzahl aufgebaut waren, und man konnte sie sogar benutzen. Als ich eines Tages zufällig in einer solchen Abteilung war, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor den Computern saßen Jugendliche, eher Kinder, die auf den Tastaturen herumtippten und voll konzentriert auf die Monitore starrten. Zuerst nahm ich an, es ginge um irgendwelche Computerspiele, aber wie ich später erfuhr, erstellten sie selber welche, und zwar mit der Programmiersprache BASIC. Sie konnten tatsächlich programmieren.

Nachdem ich eine Weile zugeschaut hatte, dachte ich: Das darf doch nicht wahr sein, dass diese Kids in der Lage sind, mit Computern umzugehen und du als Erwachsener hast absolut keine Ahnung davon. Also fragte ich einen der Jungen, dem ich über die Schulter geschaut hatte, wie man das denn lernen könne. „Gehen Sie in die Zeitschriftenabteilung. Da gibt es Computermagazine. Da steht alles drin“, war seine Antwort. Jetzt war mein Interesse geweckt. Ich las Zeitschriften und kaufte schon bald meine ersten Computer, zunächst einen Commodore VC 20 und später den Nachfolger, einen C 64. Das Programmieren war zeitaufwendig und mühsam, aber wenn sich dann Erfolgserlebnisse einstellten, hatte sich der Aufwand gelohnt.

Irgendwann war mir dann klar: Computer sind die Zukunft, und deine Schüler müssen lernen, wie man mit diesen Geräten umgeht. Als ich das Thema im Kollegium anschnitt, stieß ich nur auf taube Ohren. Ein Kollege meinte: „Was soll der Scheiß? Bring deinen Schülern lieber bei, wie man mit Hammer und Säge umgeht.“ „Das eine schließt ja das andere nicht aus“, war meine Antwort. Zunächst verhielt sich auch Heinz skeptisch, aber irgendwie schaffte ich es doch, ihn zu überzeugen. Von der Materie verstand er zwar nichts, und es interessierte ihn auch nicht weiter, aber er sah meinen Vorschlag durchaus als sinnvoll an und versprach, mich zu unterstützen. Das tat er dann auch.

Er sorgte dafür, dass ein Klassenraum als Computer-Raum eingerichtet wurde. Wir fuhren zusammen los, kauften die benötigte Hardware, und ich konnte mit meinem Computer-Unterricht beginnen, der nun fester Bestandteil des Stundenplans wurde. Zu der Zeit war das an Schulen eine Seltenheit.

computer-ag-1985Nach seiner Pensionierung trafen wir uns ab und zu entweder in Dorsten oder in Raesfeld. Heinz erzählte mir von seinen Projekten und brachte mir auch Bücher mit, so dass ich Einblick in die Ergebnisse seiner Arbeit nehmen konnte. Von Ruhestand keine Spur. Was ich früher als sein „Hobby“ angesehen hatte, war jetzt sein „Beruf“.

Thema unserer Gespräche war häufig auch die Art und Weise, wie er sich die Informationen beschaffte, die er für seine Arbeit brauchte. Mein Kommentar: „Heinz, das ist Steinzeit. Wenn du Zugang zum Internet hättest, wäre das alles viel einfacher.“ Keine Reaktion, das Thema war beendet.

Eines Tages war ich dann allerdings ziemlich verblüfft, als er mir sagte, er besäße bereits einen Computer, aber er wäre damit nicht klargekommen und deshalb hätte er das Ding auch nie mehr benutzt. Immerhin konnte ich ihn dazu überreden, mir das „Ding“ mal zu zeigen, und wir machten einen Termin aus.

Da stand nun eine komplette Anlage unter einem Tisch im hintersten Winkel seines Fotolabors. Allerdings inzwischen total veraltet. Wie sich herausstellte, hatte ihm ein Bekannter die notwendige Hardware gekauft und in seinem Arbeitszimmer eingerichtet. Es gab sogar einen Vertrag bei der Telekom, so dass ein Internet-Zugang möglich war. Der Bekannte hatte ihm auch eine Einweisung gegeben, aber das war der springende Punkt. Wenn man absoluter Laie auf diesem Gebiet ist, kann man schon bei einer Einweisung überfordert werden, und bei Problemen immer den Bekannten um Hilfe zu bitten, das wollte er auch nicht. Damit hatte sich für Heinz aus verständlichen Gründen das Thema Computer erledigt.

Aber nicht für mich. Ich erklärte ihm nochmal ausführlich, welche Möglichkeiten  ein Internet-Zugang bieten würde, beispielsweise beim Recherchieren für seine Projekte, und er bekäme endlich eine E-Mail Adresse, nach der er so häufig gefragt wurde.

Außerdem versprach ich, ihm die Bedienung der Anlage und insbesondere den Umgang mit der Software langsam und Schritt für Schritt beizubringen. Irgendwie hatte ich ihn wohl überzeugt, und als ich zum Schluss sagte: „Heinz, wir kaufen einen Computer“, war er einverstanden.

Der Computer, ein großer Monitor und ein Drucker waren schnell beschafft. Auch der Zugang zum Internet klappte problemlos. Heinz lernte es, die wichtigsten Funktionen zu nutzen und war begeistert.

Dann erwähnte er eines Tages eher beiläufig die Homepage „Dorsten transparent“ –  an der ein Journalist und Publizist, mit dem er häufig zu tun hatte –  maßgeblich beteiligt sei. So etwas würde ihm auch gefallen. Ich bin nicht weiter darauf eingegangen, weil ich das für etwas unrealistisch hielt. Aber schon kurze Zeit später war es real. Heinz hatte seine Homepage.

Eine Homepage lebt ja in erster Linie von ihren Beiträgen. Aber bis die erscheinen konnten, war es ein langer Weg, und der sah ungefähr so aus: Heinz tippte auf seiner Schreibmaschine den Text. Der wurde als Fax an eine Bekannte gesendet, die davon eine Word-Datei erstellte und als E-Mail an den Webmaster schickte.

Als nächstes ging es um das Layout, und dazu waren viele Absprachen mit dem Webmaster erforderlich. Im Idealfall erschien der Beitrag dann so, wie sich Heinz das vorgestellt hatte. Weil aber trotz sorgfältiger Vorarbeiten immer wieder Fehler auftraten, mussten häufig noch Korrekturen vorgenommen werden, und das konnte manchmal sehr lange dauern.

Für mich war das ganze Verfahren viel zu umständlich. Deshalb machte ich mir Gedanken über eine andere Lösung: Vielleicht könnte ich mich ja in die Materie einarbeiten, und wenn ich dann einen Zugang als Administrator bekäme, würde das den Ablauf wesentlich vereinfachen und beschleunigen. Das Problem war nur, dass ich von der Materie nicht die geringste Ahnung hatte.

Ohne jegliche Vorkenntnisse wusste ich anfangs nicht einmal womit ich beginnen sollte. Aber dank Internet kam dann so langsam Licht in das Dunkel, und als ich mich schließlich einigermaßen auskannte, beantragte ich beim Webmaster einen Zugang als Administrator, der mir auch bewilligt wurde.

Damit war ich theoretisch in der Lage, die Beiträge von Heinz auf seiner Internet-Seite zu veröffentlichen. Praktisch sah das aber so aus, dass ich nach dem „Trial and Error“-Prinzip arbeiten musste, und mir manchmal der Angstschweiß ausbrach. Ein falscher Klick und auf der Homepage wäre einiges durcheinander geraten. Was für Profis eine Kleinigkeit ist, war für mich eine Herausforderung, und ist es in gewisser Weise auch heute noch.

Für Heinz war es jedenfalls eine erhebliche Arbeitserleichterung. Jahrzehntelang hatte ich vergeblich versucht, ihn zu einem Einstieg in die „Computer-Welt“ zu überreden. Dass es mir schließlich doch noch gelang – ich hätte es nie für möglich gehalten.

(Publiziert am 28. Dezember 2016)

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