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Spinnräder und Haspeln aus Kohlstädt – Schlänger Geschichte
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Spinnräder und Haspeln aus Kohlstädt

Von Wilhelm Hofbüker

 

Wilhelm Hofbüker, 1894 in Kohlstädt geboren und 1983 verstorben, war – wie sein Vater und sein Großvater – Tischler von Beruf. Vater und Großvater waren außerdem Spinnradmacher.

Wilhelm Hofbüker hat eine Zeitlang auch an der Herstellung von Spinnrädern mitgearbeitet und selbst Haspeln angefertigt. Es betätigten sich im alten Lippe auch hauptberuflich Spinnradmacher. Im Jahr 1788 beispielsweise wurden fünf gezählt.

Nach Gesprächen mit Wilhelm Hofbüker im April 1982 hat Heinz Wiemann die Mitteilungen zu dem nachfolgenden Bericht zusammengefasst. Die Erstveröffentlichung erfolgte im Januar 1984 in der Zeitschrift „Heimatland Lippe“.

 

Der Vater: Im Sommer auf der Ziegelei, im Winter an der Drehbank

Im Jahre 1894 bin ich in Kohlstädt geboren. Nach meiner Schulzeit habe ich in Horn das Tischlerhandwerk erlernt. Mein Vater war einst zum Tischlermeister Vollmer hier in Kohlstädt in die Lehre gegangen. Er hatte dann die Werkstatt meines Großvaters übernommen. Der Großvater hat schon Spinnräder gebaut, und mein Vater hat die Spinnradmacherei weiter betrieben. In der Werkstatt im elterlichen Haus in Kohlstädt Nr. 46 wurden allerdings nicht nur Spinnräder hergestellt. Es wurden auch Möbel gefertigt. Hinzu kamen Aufträge, die eigentlich ein Zimmermann hätte ausführen müssen.

Es bleibt auch festzuhalten, dass mein Vater, Friedrich Hofbüker, sommertags auf der Ziegelei arbeitete und nur im Winter an der Hobelbank und an der Drehbank in seiner Werkstatt stand. Um die vierzig Spinnräder dürften es wohl gewesen sein, die unter seinen Händen in jedem Winter entstanden. Für den Bau eines Spinnrades musste man etwa zwei bis drei Tage rechnen.

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Drechsler an seiner Drehbank. Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert. So ähnlich sah die Drehbank aus, an der einst der Vater Wilhelm Hofbükers in seiner Werkstatt in Kohlstädt drechselte. Vereinzelt sind derartige Drehbänke noch in den 1920er Jahren in Ostwestfalen in Gebrauch gewesen. Das Drehmaschinendenkmal am Gewerbepark in Schlangen vermittelt Einblicke in die Geschichte dieses Arbeitsgerätes.

Zum Drechseln der Hölzer hatte mein Vater noch eine Drehbank mit „Fußbetrieb“. Das Stück Holz, das bearbeitet werden sollte, wurde zwischen zwei Pinne gespannt und mit einem Bindfaden einmal umwickelt. Der Faden war unten am Boden an einem Tretbrett und unter der Decke an einer federnden Wipprute befestigt. Durch das Betätigen des Tretbrettes bewegte er sich dann auf und ab, das eingespannte Holz geriet in Drehbewegung, und die Bearbeitung mit dem Drehmeißel oder der Drehröhre konnte beginnen. Die Sache war ziemlich umständlich, da sich das Werkstück einmal vorwärts und dann wieder rückwärts drehte und das Drechseln nur in einer Richtung erfolgen konnte.

 

Hunderte von Spinnrädern und Haspeln hergestellt

Nach meiner Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg arbeitete ich mit in der Werkstatt meines Vaters. Wir haben damals die Drehbank des Meisters Vollmer gekauft. Diese Werkstatt wurde aufgelöst, weil der Sohn des Tischlers Vollmer im Krieg gefallen war. Die Drehbank hatte bereits einen Elektromotor. In den zwei, drei Jahren nach dem 1. Weltkrieg haben mein Vater und ich Hunderte von Spinnrädern und Haspeln hergestellt. Für Möbel war nicht genug Holz da, und nach Spinnrädern wurde verlangt. Im Allgemeinen nahmen wir Buchenholz, aber auch Birnbaum- und vor allem Nussbaumholz waren gut geeignet. Besonders die Einwohner aus den Dörfern in der Umgebung Paderborns, wie Benhausen und Buke, haben bei uns Spinnräder und Haspeln gekauft. Viele kamen den weiten Weg zu Fuß. Angestrichen haben wir die Räder nicht, das machten die Leute selber zumeist mit Fußbodenfarbe.

Es gab mehrere Arten von Spinnrädern. Die dreifüßigen standen sicherer als die anderen auf ihren vier Beinen. Wenn der Fußboden uneben war, gerieten die Spinnräder mit vier Beinen leicht ins Wackeln. Dann gab es Spinnräder mit nur einer Spule für den normalen Spinner. Wer besonders geschickt war, konnte zwei Spulen gleichzeitig bedienen, und so wurden auch Spinnräder mit zwei Spulen gebaut. Wir selbst haben auch versucht, mit zweispuligen Spinnrädern zu spinnen, haben es aber nie so recht fertiggebracht.

 

Es war auch ein bisschen Kunst dabei

Die Spinnräder wurden mit Verzierungen versehen. Es sollte ja auch ein bisschen Kunst dabei sein. Die Spinnradmacher legten ihren Ehrgeiz hinein, einzelne Teile möglichst kunstvoll zu drechseln. Jeder hatte seine eigene Art, und man konnte den Rädern ansehen, aus welcher Werkstatt sie kamen. In Kohlstädt hat um die Jahrhundertwende noch außer meinem Vater der alte Vollmer Spinnräder hergestellt. Ganz schlicht und einfach waren die „Kirmesräder“. Sie wurden von den Händlern aufgekauft und auf den Jahrmärkten feilgeboten.

Eine Zeichnung brauchten wir zum Anfertigen der Räder nicht. Wie es zu machen war, das hatten wir im Kopf. Mein Vater fertigte jedes Spinnrad einzeln an. Erst dann kam das nächste. Ich machte das schon ein wenig rationeller, stellte zehn Gestelle her und fertigte dann die Räder. Für die Spulen war mein Vater zuständig. Das machte ich ihm nicht genau genug.

 

Spezialität: „Fabrikation“ von Haspeln

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Wilhelm Hofbüker, auf dem Foto 88 Jahre alt, nimmt eine Haspel in Augenschein. Er verstand eine Menge von Spinnrädern und Haspeln, denn früher hat er sie selbst hergestellt. Wilhelm Hofbüker ist 1983 verstorben.

Meine Spezialität aber war die „Fabrikation“ von Haspeln. Wenn die Spulen vollgesponnen waren, wurde die Länge des Garnes gemessen. Als Messgerät diente die Haspel. Das Garn wurde von der Spule ab- und auf die Haspel gewickelt. Die Haspel war mit einem Zählwerk ausgestattet, mit dem die Anzahl der Umdrehungen festgestellt werden konnte. Das Zählwerk bestand aus einem hölzernen Zahnrad und einer federnden dünnen Holzleiste, die wir „Klepper“ nannten. Nach einer bestimmten Zahl von Umdrehungen schlug die Feder mit einem knackenden Geräusch zurück gegen den Haspelständer, und ein Bind Garn war vollgehaspelt.

 

Die Zählscheibe musste genau sechzig Zähne aufweisen. Obwohl ich mir alles schön eingeteilt hatte, kamen nur 58 dabei heraus. Wenn später einmal einer mit seiner Haspel zur Reparatur kam, konnte ich an der Zahl der Zähne genau feststellen, ob ich die Haspel gemacht hatte oder ein anderer. Eigentlich sollten es ja sechzig Zähne sein, aber wer zählte schon genau nach! Und wenn das Bind Garn ein bisschen kürzer war, was machte das schon! So genau kam es damals nicht darauf an.

Mehrere Leute hatten mit der Haspel Pech. Sie drehten rechts herum. Eine Haspel muss aber nach links gedreht werden. So geschah es dann, dass das Zählwerk klemmte oder das Zählrad durch den Schwung und die falsche Richtung einige Zähne verlor. Wir mussten die Zacken dann erneuern oder eine ganz neue Scheibe anfertigen.

Als dann mit Spinnrädern und Haspeln nicht mehr genug Geld zu verdienen war, habe ich überwiegend Möbel hergestellt und verkauft.

(Publiziert am 20. August 2014)

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